Faszientherapie

Faszien: grösstes Sinnesorgan des Pferdes

Bis vor Kurzem waren die Faszien in einem Körper wenig erforscht; ihnen wurde ebenso wenig Beachtung geschenkt. Seit einigen Jahren jedoch haben Therapeuten und Wissenschaftler auf der ganzen Welt die Faszien so richtig entdeckt: Es wurde und wird aktuell intensiv zum Thema geforscht, und die Erkenntnisse reihen sich aneinander beinahe wie Perlen auf einer Schur; einige ergänzen einander, einige lösen vorhergehende Meinungen ab.

Definition Faszie

Seit dem 1. Internationalen Faszien-Kongress 2007 in Boston werden Faszien als alle faserigen Bindegewebsstrukturen definiert, die den Gesamtkörper als ein kontinuierliches Netzwerk durchdringen und umhüllen. Dazu gehören neben den "eigentlichen" Faszien in der Gestalt von flächigem, festem Bindegewebe

  • alle kollagenen und elastischfaserigen Bindegewebe

  • insbesondere Gelenk- und Organkapseln

  • Bänder

  • Hüllen von Muskeln

  • Membranen

  • Sehnen

Faszien sorgen im Körper für maximale Stabilität bei gleichzeitiger maximaler Beweglichkeit.


Wirkung einer Faszientherapie

Oberflächliches und somit gut "erreichbares" Fasziengewebe enthält 80% sensible (zum Gehirn weiterleitende) Nervenendigungen. Diese Rezeptoren empfinden ENTWEDER Berührung/Bewegung ODER Schmerz. Für die therapeutische Behandlung ist diese Tatsache essentiell, denn Schmerz-Rezeptoren können durch angemessene Berührung umprogrammiert werden. Damit erreichen wir via den Körper direkt das Gehirn des Pferdes und können so einen Teufelskreis von Schmerzen und unphysiologischen Bewegungen unterbrechen.

Weitere Vorteile einer Faszien-Behandlung:

  • Die Möglichkeit, durch manuelle Techniken die Propriozeption des Pferdes - seine Eigenwahrnehmung, das Gefühl seines Körpers im Raum - zu fördern.

  • Fasziengewebe bildet sich nach der Art der Belastung; beschädigtes Gewebe kann in der Rehabilitation manuell bewegt werden; die Bildung von unphysiologischen Crosslinks und unelastischem Narbengewebe nach einer Verletzung kann so minimiert werden.

  • Ein Teil der im Fasziengewebe enthaltenen Rezeptoren sorgen bei Aktivierung für eine Stressminderung im Gewebe und für eine Absenkung des Sympathikus - also für Entspannung. Dies macht sich die manuelle Therapie ebenfalls zu Nutze.

  • Faszien verbinden den gesamten Körper. Dementsprechend wirkt sich ein therapeutischer Input weitreichend aus. Auch tieferliegendes Gewebe wird so indirekt erreicht.

"Wenn man mit den Faszien arbeitet, behandelt man die Zweigstelle des Gehirns. [...] Durch die Aktion der Faszien leben wir, durch ihr Versagen sterben wir."

(Andrew Taylor Still, Mitbegründer der Osteopathie, 1899)